(Kinder) Trauer geht nicht weg…

Trauer geht nicht weg. Nicht für uns Erwachsene, und auch nicht für Kinder. Und Kinder ‚vergessen das‘ auch nicht einfach so… Das müssen wir uns immer wieder bewußt vor Augen führen.
Zeichnung von Anna Jarvis - Alex und Olivia gucken traurig auf ein Familienfoto

Ich glaube, dass das Loch in unserem Herzen nie kleiner wird, aber der Trick ist, die Welt darum herum größer zu machen, damit es einen nicht komplett verschlingt… (Siehe “Mama, mein Herz ist zu klein…”)

Aber manchmal tut es das trotzdem…

Martin sammelte leidenschaftlich Polizei-Modellautos, und durch seinen Tod bin ich Verwalter seiner Sammlung geworden. Ich behalte viele davon, aber etliche verkaufe ich auch, denn es sind einfach viel zu viele. Während ich ein paar der wertvolleren Modelle auf Ebay einstellte, überkam mich plötzlich ein Schwall der Trauer und der Schuld. Ich fing an zu weinen. Livvy – meine 12-jährige Tochter – kam sofort rüber zu mir, nahm mich in den Arm und flüsterte beruhigende Worte wie ‚aber Mummy, es ist okay‘, ‚er hatte viel zu viele‘, ‚Daddy hätte nichts dagegen‘ und ‚er würde wollen, dass sie bei jemandem sind, dem sie etwas bedeuten. Es ist zu schade, dass sie bei uns einfach in einer Kiste unter dem Dach stehen.‘ Alex stimmte ihr zu, und kam auch zu mir um mich in den Arm zu nehmen.

Aber als meine Tränen aufhörten zu kullern, fingen seine an. Große, traurige, schmerzhafte Tränen, voll mit den Erinnerungen des Tages an dem sein Daddy starb. Und gefüllt mit dem Verbleichen der anderen, positiven Erinnerungen. „Mama, es ist wie ein Geist. Also ich glaube ich kann mich schon noch an ihn erinnern, aber nicht so richtig, und ich weiss nicht, ob das meine eigenen Erinnerungen sind, oder nur die Erinnerungen anderer oder durch Fotos. Und ich weiss nicht mehr wie er klingt. Ich glaube ich würde nicht mal mehr seine Stimme erkennen wenn ich ihn hören würde…“ Ich versicherte ihm, dass ich mir 100%ig sicher sei, dass er die Stimme seines Vaters erkennen würde. „Ich glaube sogar Livvy würde seine Stimme erkennen,“ sagte ich (unsere Tochter war erst 11 Monate alt als ihr Daddy starb), und hielt ihn fest im Arm. Er sah so aus als wollte er was sagen, aber dann stoppte er.

Er guckte mich an, dann von mir weg, und flüsterte: „Ich weiss nicht, ob ichs sagen soll Mama…“ „Falls du dir nicht sicher bist, sag es einfach. Dann können wir es uns angucken und darüber sprechen,“ war meine Antwort, und ich wartete in seiner Trauer, meine Hand leicht auf seinem Arm. Es dauerte noch ein bißchen, bis er den Mut aufbrachte es laut auszusprechen. „Mama, ich vermisse ihn so sehr, aber ich glaube du vermisst ihn mehr, weil du ihn länger gekannt hast.“ Wow. Sofort sagte ich: „Alex, ich sehe das genau anders herum. Ich vermisse ihn sehr, aber ich glaube DU vermisst ihn mehr, WEIL du ihn nicht so lange gekannt hast…“

Und so redeten wir. Wir redeten über all die großen und die kleinen Dinge. Die ‚Hätte er gerettet werden können?‘, die ‚Wenn ich älter gewesen wäre‘, die ‚Es ist ja nicht so als würde ich Dad (meinen zweiten Mann) nicht mögen‘, und vieles mehr. Fühle mich emotional jetzt ziemlich kaputt, aber ich bin so, so dankbar, dass mein Baby mir vertraut. Ich war immer offen und ehrlich mit meinen Kindern – gleich vom ersten Tag an. Und ich bin so froh, dass sie mir auch weiterhin mit ihren Gedanken, Gefühlen, Emotionen und Ängsten vertrauen. Ich habe immer versucht offene Gespräche zu fördern, und habe nie etwas vor ihnen versteckt. „Ihr wisst ja, dass ihr mich alles fragen könnt, egal wie peinlich, und ich verspreche euch ihr werdet immer einen ehrliche Antwort bekommen!“ war meine Mantra, und ist es auch weiterhin. Und das tun sie auch. Und dafür bin ich unendlich dankbar.

Das Leben ist nicht einfach. Aber es ist trotzdem schön und einzigartig und wertvoll und schwierig und emotional und alles zwischen drin. Ich erinnerte Alex daran, dass es okay ist traurig zu sein, aber dass es auch okay ist fröhlich zu sein. Und das sind wir.

 

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